Dieses Mal mussten leider fast sämtliche Pläne, die wir vor Reisebeginn aufgestellt hatten, nochmal überdacht und geändert werden. Grund dafür war ganz einfach die Regenzeit im tropischen Nordaustralien, die viele Straßen zwischen Darwin und Broome unpassierbar gemacht hatte. Nationalparks waren geschlossen oder gar nicht erst erreichbar. Erst als wir in Broome, an der Westküste angekommen waren, begann der Trip reibungsloser zu verlaufen. Dennoch haben Thorben und ich neue und außergewöhnliche Teile Australiens gesehen.
Los ging es wieder einmal in Albury. Vier Stunden benötigte der Zug vom Bahnhof nach Melbourne, welcher bereits verspätet gestartet war. Ich begab mich also eilig an den „Domestic Airport“, der sich nur unweit vom Stadtzentrum befindet und bekam glücklicherweise noch meinen Flug. Am nächsten Morgen erreichte ich Darwin, die Landeshauptstadt des Northern Territorys. Thorben hatte uns über den Vater einer Lehrerin an seiner Schule, welcher in Darwin lebt, einen Fishing Trip organisiert. Dieser, genannt John empfing uns am Flughafen und fuhr uns sogar zum Hostel. Nach nur drei Stunden Schlaf klingelte wieder der Wecker und es ging schließlich 120 km südöstlich zum Fischen an ein sogenanntes Billabong, zu Deutsch: Wasserloch. Was es hier zu sehen gab war fantastisch. Bis zum Horizont bestand die Landschaft ausschließlich aus Sumpf und Wasser. Und um uns herum lebte eine vielfältige Tierwelt, darunter auch die großen Salzwasserkrokodile. Erblicken konnte man sie überall, aber vermehrt trieben sie sich am Ufer herum. John’s Wissen und Erfahrungen waren beeindruckend und er berichtete von vielen interessanten Geschichten. Zum Beispiel davon, wie Aborigines an Stränden und anderen Badestellen als Sicherheitskräfte fungieren. Als einzige Menschen der Welt, seien sie in den Lage, die Krokodile aus weiter Distanz zu riechen und dementsprechend Badegäste frühzeitig zu warnen, so John. Auch am nächsten Tag war früh Aufstehen angesagt, da Thorben und ich eine Tour in den Litchfield Nationalpark gebucht hatten. Die erste Sensation waren die großen Pythonschlangen, welche von mutigen Teilnehmern auf den Arm genommen werden durften. Nach kurzem Zögern, wagten auch wir uns an die Tiere. Später begaben wir uns mit einem Boot auf einen Fluss, welcher Lebensraum für viele Krokodile bot. Gespannt schauten alle Besucher zu, wie die bis zu vier Meter langen Reptile vom Boot aus gefüttert wurden. Eine weitere Sehenswürdigkeit im Nationalpark waren die riesigen Termitenhügel, die es überall zu sehen gab. Den Nachmittag verbrachten wir beim Baden, direkt unter den wunderschönen Wasserfällen und bei strahlendem Sonnenschein. Eine kostenlose Schlafmöglichkeit fanden wir auf einer Wiese in der Nähe vom Strand, auf der wir unser Zelt aufbauten. Aber Mücken, Hitze und besonders die Luftfeuchtigkeit machten das Schlafen fast unmöglich. Der folgende Tag bestand hauptsächlich aus Busfahren und zwar auf dem Weg von Darwin nach Kununurra, wo wir abends gegen 18 Uhr ankamen.
Wir hatten Western Australia erreicht, ein Bundesstaat mit der 7-fachen Fläche von Deutschland, aber nur 2 Millionen Einwohner, von denen 1,4 Millionen in der Stadt Perth leben! Müde suchten wir uns einen Campingplatz und machten uns am nächsten Morgen früh zur Touristeninformation. Hier erfuhren wir, dass aufgrund der Regenzeit, fast keine Touren angeboten werden würden. Daher änderten wir dementsprechend unsere Route und beschlossen, über den Highway an die Westküste zu gelangen, anstatt die ungeteerte Gibb River Road zu nehmen. Es hätte auch auf dieser Strecke viel zu sehen gehabt, aber meistens scheiterten wir am gleichen Problem: Es war alles geschlossen. Selten fanden wir Parks, die zugänglich und offen waren. So machten wir uns in Kununurra zum Beispiel selbstständig auf den Weg in den kleinen Mirima Nationalpark, der sich direkt vor der Stadt befand. Wir unternahmen eine kleine Wanderung und genossen die vielen schönen Aussichten, die der Pfad bot. Am nächsten Morgen erreichten wir Fitzroy Crossing, wo wir eine weitere, sehr schöne Parkanlage besuchten. Die zwanzig Kilometer zum Park wollten wir erst laufen, fanden dann aber glücklicherweise eine Mitfahrgelegenheit von ein paar Aborigines. Zwei Tage später kamen wir endlich in Broome an, einer kleinen Stadt, mit wunderbarer Urlaubsatmosphäre. Die Strände hier gehören zu den Schönsten in Australien und das war auch sofort ersichtlich. Daher verblieben wir hier auch zwei Nächte, genossen die 35 Grad und erholten uns von den langen Busfahrten. Den Aufenthalt in Broome haben wir sehr genossen und wir wären lieber ein paar Tage länger geblieben, doch wir mussten weiter. Aber auch die nächste Station unserer Reise war eine absolute Sensation, das Ningaloo Reef. Ein 250 km langes Riff, welches sich direkt an der Küste befindet. Das Wasser war hier war türkisblau und die Strände weiß, einfach ein Paradies. Thorben und ich kauften uns eine Tauscherbrille und einen Schnorchel und schwammen ca. 400 Meter raus, um uns die Unterwasserwelt anzusehen. Wir erblickten alle möglichen Fische, Korallen, Seesterne, Schildkröten und Rochen, aber leider keinen Hai. Übernachtet haben wir die zwei Nächte auf einer Wiese, anstatt auf einem teuren Campingplatz zu schlafen. Nach drei Tagen mussten wir leider weiterfahren, da uns nicht mehr viel Zeit verblieb. Weitere 12 Stunden fuhr der Bus die Küste herunter, bevor wir in Cervantes ankamen. Hier befand sich der Numbung Nationalpark, in dem die weltbekannten Pinnacles stehen. Dabei handelt es sich um Kalksteinsäulen, welche vor ein paar Tausend Jahren durch Pflanzenwuchs entstanden sind, eine Art versteinerte Wurzeln im Kalkstein. Da diese mitten in einer Wüste stehen, war der Anblick auf die insgesamt 80 000 Pinnacles sehr beindruckend. Von Cervantes aus waren es nur noch 250 km bis Perth, die ab gelegenste Großstadt der Welt und das letzte Ziel unserer Reise. Die kurze Strecke absolvierten wir per Anhalter, was sehr gut funktionierte, weil wir nie lange warten mussten. In Perth verbrachten wir noch 3 Tage und erkundeten diese große Stadt, die mir persönlich sehr gefallen hat. Die passenden Übernachtungsmöglichkeiten fanden wir bei einer Freundin von Jonas, einem Zivi aus Perth. Am 27. April flog ich zurück nach Melbourne und nahm von dort aus wieder den Zug zurück nach Albury.
Resümierend war es trotz aller Schwierigkeiten eine gelungene Reise, vor allem deswegen, weil wir Natur und Wildnis gesehen haben, die es so nirgendwo anders gibt.
Erwähnt sei auch die Strecke von über 4700 Kilometer, die wir in 17 Tagen zurückgelegt haben. Denn diese war rückblickend etwas zu lang, da wir sie bei insgesamt 70 Stunden Busfahrt überbrücken mussten. Doch stolz kann ich jetzt zurückblicken und behaupten sehr viele Teile Australiens schon gesehen zu haben und zwar mehr als die meisten Einheimischen. Die Größe dieses Landes kennt man erst, wenn es man es selbst bereist, es ist unglaublich.